Auf Bühnen und Heimatten

Es wird Zeit für einen neuen Blogeintrag, denn zwei Slamtage liegen hinter mir. Meine letzten beiden Auftritte führten mich zurück in alte Heimatstädte: Oldenburg und Bremen.

Beide Slams waren wunderbar. In Oldenburg verpasste ich mit Platz 4 nur knapp den Einzug ins Finale, in Bremen hat es gereicht und ich habe auf Platz 3 ein Buch gewonnen: Leviathan von Paul Auster.

Seit Mittwoch bin ich außerdem stolze Besitzerin einer Bahncard 50. Nachdem meine Mitfahrgelegenheit eine Panne hatte, habe ich den Transport meiner selbst auf die Gleise verlegt. In nur eineinhalb Stunden kann man nonstop von Berlin nach Hamburg fahren. Ich bin begeistert.

Gegen 12 Uhr mittags bin ich als frischgebackene Bahncard 50-Trägerin (okay, volläufige Bahncard, aber was soll’s…) zum Schalter am Berliner Hauptbahnhof gesprintet und habe „Buchen Sie mich auf den nächsten Zug nach Bremen“ gekeucht. Das hört sich fast so cool an wie „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, finde ich. Und das Beste: Mit der Bahncard 50 werde ich jetzt immer so buchen!

Beim Slamprodukt in Oldenburg angekommen, habe ich mich sehr gefreut, altbekannte Gesichter an dazugehörigen Körpern wieder zu sehen. Das waren zuerst einmal Christian Bruns, Sven Linker und Tanja Beckmann, die Organisatoren dieser Veranstaltungen, aber auch Slammer wie Annika Blanke, Sascha Mühlenbeck, Sebastian Hahn, Julia Balzer und Achim Leufker. Zudem waren auch wieder viele tolle Leute dabei, ich noch nicht kannte: Gerrit Wilanek, Felix Bartsch und Kadda Kannmichmal um nur einige zu nennen. Einen Tag später, beim Slam on the Rocks in Bremen, kamen dann noch Marco alias vorwiegendinmoll, Kevin Heil, Robin alias Mr. E, Dennis Polster und Wiebke Flash dazu. Eine schöne Slamily ist das in Norddeutschland. Und zwei wunderbare Slams sind es, die Christian, Sven und Co dort veranstalten. Ich kann jedem nur empfehlen, da mal vorbei zu schauen. Als Slammer oder Publikumsgast.

Und weil es so schön war, hier ein paar Backstagefotos vom Donnerstag:

Männergespräche I : Seb und Kevin beim Thema Gesichtsbehaarung

Männergespräche I : Seb und Kevin beim Thema Gesichtsbehaarung

Männergespräche II : Thema? Mhmmm...

Männergespräche II : Thema? Mhmmm…

Robin im Biergarten

Robin im Biergarten

Kevin im Biergarten

Kevin im Biergarten

Spaß im Biergarten

Spaß im Biergarten

Zu viel Spaß im Biergarten

Zu viel Spaß im Biergarten

 

Slam, Blockseminar, Slam

Vorgestern fand in Kreuzberg der Mano Slam statt, gestern der Moabit Slam in… ja Moabit eben. Dazwischen Uni in Dahlem. Von 10 bis 18 Uhr.  Nach Hause zu fahren lohnte sich nicht, also war ich in Neukölln. Es gibt Leute, die haben einen Balkon. Ich gehöre nicht dazu. Miriam schon. Wir haben also auf Miris Balkon russisches Bier vom russischen Supermarkt um die Ecke getrunken. Mich hat der Eisbär auf dem Ettikett von der Prozentzahl abgelenkt. Erst später habe ich festgestellt, dass es Starkbier war. Da stand ich aber schon auf der Bühne.

Dort sollte ich meinen Titel (vom Januar) verteidigen. Habe ich auch getan. Jetzt haben wir wieder Vodka im Haus. Es bleibt russisch. Der zweite Teil des Gewinns war ein Buch von Mascha Kaléko und ein Eisgutschein. Danach ist mir heute eher.

Der Moabit Slam ist einer der jüngsten Slams Berlins. Trotzdem kann ich jetzt schon sagen, dass es einer meiner Lieblingsslams in dieser Stadt ist. Zuschauer zahlen keinen Eintritt, stehen dichtgedrängt in dem länglichen Raum der „Neuen Heimat“, sitzen auf Bierkästen oder auf dem Boden. Zur Bar, zur Toilette oder zum Atmen kommt man nur in der Pause. Zum Glück gibt es davon zwei.

Die Texte der anderen Poeten habe ich gestern kaum gehört, denn der „backstage“-Bereich ist wirklich genau hinter der Bühne. Hinter der Bühne heißt in diesem Fall vor der Tür. Beim Moabit Slam steht man auf drei übereinandergestapelten Holzpaletten direkt vor einem großen Fenster zur Straße.

Ivan sagte wohl einmal während eines Auftritts: „Kommste hier vorbei, siehste ’nen Arsch. Gehste rein, guckst auf die Bühne… immer noch Arsch.“ Witze auf eigene Kosten muss man nicht bezahlen, sage ich.

Kostenlose Grüße,
Insa

Eine Standpauke zum Geburtstag

Ich bin gerade in Konstanz, bzw. Kreuzlingen (CH). Mein Jetlag und ich sind nach einer “Nacht” Berlin gleich wieder 8 Stunden Zug gefahren. An den Bodensee, denn meine Eltern wohnen dort, wo andere Urlaub machen.

Die Hälfte meiner Konschtanzer Mädels (aka Moni, Livi, Jazz) sind auch gerade hier. Ostern sei Dank. Moni hatte gestern (am 2. April) Geburtstag und am 1. fand im Klimperkasten der “Standpauke” Poetry Slam statt. Die perfekte Reinfeiergelegenheit.

In Konstanz habe ich vor… sagen wir mal 10 Jahren Poetry Slam kennengelernt, ungefähr zu der Zeit, als drei Studenten die Sprechstation gründeten und – glaube ich – den ersten Konstanzer Slam in einem leerstehenden Blumenladen abhielten. Ich erinnere mich an weitere Veranstaltungen wie “Dichter Saufen Umsonst”, auf der die Poeten ihre Texte nur vorlasen, wenn jemand im Publikum eine Runde Drinks spendierte. Bier oder Hochprozentiges. Die Entscheidung lag beim Gönner. Dies hatte zur Folge, dass sehr bald alle furchtbar betrunken waren und Matze B. seinen letzten Text, nur noch mit einer Unterhose bekleidet, lallte.

Ich erinnere mich an Lars Ruppel, Sebastian23, Gabriel Vetter, an SMAAT (damals angekündigt als erste Boy Band des Poetry Slams), an Kuhhamsterkatzehamsterhamsterkuhkatze… und an meinen eigenen Gedanken: “Das ist total toll, was diese Menschen da auf der Bühne machen, aber das traust du dich nie.”

Damals war ich 16 und wenn ich mir anschaue, was ich damals so geschrieben habe, wäre es auch wirklich keine gute Idee gewesen, mich damit auf eine Bühne zu stellen. Niedlichkeitsbonus gibt es nicht mehr bei 1.80m.

Dieses Mal bin ich spontan noch in das Line Up des Slams im Klimperkasten gerutscht. Die Mädels haben sich darüber wohl noch mehr gefreut als ich. Gerne hätte ich ihnen mehr als nur einen Text vorgetragen, doch von Startplatz 2 in einer KO-Runde mit Hanz hat das leider nicht geklappt. Macht aber nix, auch ich bin Hanz-Fan und vielleicht lässt er mich bei Gelegenheit auch mal mit dem Autobahnigel Frisbee spielen.

Als der Klimperkasten gegen 1 Uhr nachts schließen musste, sind wir in Monis Küche umgezogen. Special Guest Stefan Ebert kam auch noch mit, nachdem er im Klimperkasten zum dritten Mal den auf seinem Gameboy komponierten Song über Parties im Weltraum spielen musste.

Es war eine Nacht, wie Moni sie verdient hat, gekrönt mit einem wunderschönen Sonnenaufgang am See.

Nochmals alles Gute zum Geburtstag, meine Liebe! xxx

Insa

Urlaubsgrüße aus Amerika

Mein letzter Blogeintrag liegt schon fast einen Monat zurück. Das liegt daran, dass ich momentan auf keiner Bühne stehe, sondern auf amerikanischen Grund und Boden. Ich trete in meine eigenen Fußspuren aus vergangenen Zeiten und besuche alte Freunde. Urlaub. Semesterferien. Rumgereise. Mit Auto, Bus und Zug. Schön.

In New York habe ich kurz beim Nuyorican Poets Café vorbeigeschaut. Leider war Sonntag und sonntags ist zu.

Das Poets Café gibt es seit ~ 1973. Es befindet sich in East Village in NYC und ist quasi DER Ort für Spoken Word Veranstaltungen und somit auch für Poetry Slam.

Und das war auch schon der engste Kontakt den Slam Poetry und ich in den letzten Wochen hatten. Im April geht es weiter.

Beste Urlaubsgrüße aus den Staaten,

Insa

 

Die Goldene Fischdose

Ich habe ihn jetzt auch, einen der heißbegehrten Slammer-Filet-Pokale, die goldene Fischdose! Ich freue mich darüber besonders, denn hier habe ich mit dem Slammen angefangen.

Von Montag bis Freitag war ich in Bremen. Schon im Dezember, nach dem KAS-Jahresrückblick-Slam,  hatte Rita Apel mich als Spezialgast zu ihrer Lesebühne „Leser an der Weser“ eingeladen. In knapp einer Stunde habe ich am Dienstag in einer gemütlichen Hafenkneipe elf Texte gelesen, darunter Kurzgeschichten und Slam-Texte. Einige mussten als 1. Version aus dem Müll gefischt und mit Tesafilm geflickt werden, denn kurz vor meiner Bremen-Tour passierte etwas für einen schreibenden Menschen unglaublich Furchtbares: Computer tot.

Mitlerweile lebt er wieder. Neuem Stromkabel sei Dank. Ich bin jetzt ein großer Fan von Sicherheitskopien.

Das Filet war wieder einmal großartig. Ausverkauft, super Stimmung und tolle Slammer. Für alle, die nicht mehr reingepasst haben, gibt es Videos. Hier ist meins:

Liebste Grüße,

Insa und die Patchworkfamilie

Der Quotenamerikaner

In Berlin gibt es ihn bei fast jedem Slam. Den einen, der auf Englisch liest, der in der Anmoderation kurz einen, vom amerikanischen Akzent durchfluteten, Satz sagt. Den Klassiker: “Ick bin ein Börliner.” Oder: “Mit mir ist nicht gut Kirschen essen.” Ja, zweiteres ist ein bisschen niedlich.

Es muss komisch sein, an einer Veranstaltung teilzunehmen, in der es um gesprochene Worte geht, wenn es die Worte einer Sprache sind, die man gar nicht versteht.

In etwas mehr als zwei Wochen fliege ich nach New York. Das Nuyorican Poets Café ist definitiv ein Programmpunkt. Wenn sich die Gelegenheit bietet, nehme ich vielleicht an einem offenen Slam teil. Vermutlich sollte ich dafür meine Texte ins Englische übersetzen. “With me is not good cherry eating” könnte ich trotzdem sagen.

Letzte Woche war with me auch no good poetry slamming. Ich wollte zwar, meine Stimme aber nicht. Deswegen mussten Save the Room und der MoabitSlam leider ausfallen…

Gestern war Prenzl’berg Slam in der Kulturbrauerei. Moderiert wird dieser von Sarah Bosetti und Daniel Hoth. Teilnehmende Poeten gehören entweder zum Team Sarah oder zum Team Daniel. Als einzige Slammerin im Wettbewerb gehörte ich zu Sarah. Von Startplatz 2, mit Dieses Ei geht nicht kaputt – einem insaungewöhnlich ruhigen Slam-Text, bei dem man ein bisschen mitdenken sollte – und der schwarzhumorigen Patchworkfamilie habe ich es bis ins Finale geschafft.

Bronze-behangene Grüße,

Insa

Ey man, wo ist mein…

…Bett? Ich habe gestern mein Zimmer umgeräumt, das Haus verlassen und als ich wieder kam, vergessen, dass ich meine Möbel verrückt hatte. Lustiges Gefühl. Ich dachte kurz, ich sei in einer anderen Wohnung.

Das könnte auch daran liegen, dass ÜBERALL Werkzeug rumsteht. Gestern haben die Handwerker nämlich bei den Nachbarn die Fenster ausgetauscht. Heute sind wir dran. Als der eine fragte: “Könnten ich heute Nacht meinen Hammer bei Ihnen lassen?”, wollte ich erst fragen, in was für einem Film ich gerade bin…

Heute sitze ich in der Küche, während fünf Männer mein Zimmer bearbeiten, und schreibe eine Geschichte über sie. Menschen sind so interessant.

Gestern war Kreuzberg Slam. Da waren sehr viele Menschen. Das Publikum saß – wie üblich – auch auf der Bühne, bzw stand bei -15 Grad in einer Schlange vor der Tür. Verrückt. Allein das ist schon ein Grund, sich auf die offene Liste zu schreiben, um sich das Frieren zu ersparen. Hab’ ich auch gemacht und einen Startplatz bekommen. Den ersten. Mal wieder. Dann war ich in einer Vorrundengruppe mit dem großartigen Lars Ruppel, der letzendlich verdient gewonnen hat und ein Megaphon mit nach Hause nehmen durfte. (Da haben die Handwerker in meinem Zimmer großes Glück gehabt, dass ich das nicht gewonnen habe…)

Außerdem mit dabei waren: Felix Lobrecht, Frank Klötgen (den ich somit auch endlich einmal in Berlin getroffen habe), Danny Sherrard (aus Seattle, der 2007 den National Poetry Slam der USA gewonnen hat), Victoria-Louise Seifried, Daniel Hoth, Sebastian23 usw. Sehr coole, nette Leute und ein sehr spaßiger Abend.

Ich werde jetzt mal zu den Handwerkern rüber gehen und sie fragen, ob sie nachher noch nacktbaden. Das ist so das nächstdämlichste, was man bei diesem Wetter machen kann.

Kalte Küchengrüße,

Insa